Halb-Orks sind eine seltsame Rasse. Eigentlich sind sie ja nicht wirklich eine Rasse, sondern Bastarde, das Ergebnis einer Kreuzung zwischen Orks und Menschen.
Daher ist es auch sehr schwer, diese Rasse zu beschreiben. Während bei Einigen das Menschliche bei weitem dominiert und das Orkische nur an roten Augen, etwas stärkerem Haarwuchs oder seltsamen Gesichtszügen oder einem stärkeren Körperbau zum tragen kommt, dauert es bei Anderen, in dem orkischen Antlitz das Menschliche zu finden.
Allen gemein ist jedoch, dass beide Merkmale vertreten sind: Das Menschliche, wie das Orkische. Nur eben in unterschiedlicher Ausprägung. Und genau das macht jene auch so unterschiedlich. Doch nicht nur im Aussehen, auch im Verhalten sind sie wohl eine der untschiedlichsten Rassen.
Während Einige das Leben unter Menschen gewohnt sind und auch nach menschlichen Werten streben, das orkische Teilweise verachten, manche sogar hassen und versuchen es auszulöschen, sind es Andere, welche das orkische Leben hochhalten, zu orkischen Götter beten und das Menschliche als Makel sehen.
Neben diesen beiden gibt es noch die dritte Gruppe, welche gelernt hat, dass das Orkische und das Menschliche zusammen Vorteile bietet. Klüger als ein Ork, stärker als ein Mensch, verlassen sie sich auf Instinkt und ihre Kraft gleichermaßen.
Doch die meisten Halb-Orks gehören weder zu der Einen noch der Anderen Gruppe. Wie sollte man reine Verhaltensmuster erwarten, von einer Rasse, welche nicht rein ist? Jeder Halb-Ork muss sich selber für einen Weg entscheiden. Dabei wird er gerpägt durch sein Leben, die Gesellschaft in der er sich befindet und in der er aufwuchs.
Und diese Gesellschaft geht nicht gerade zimperlich mit den Halb-Orks um. Dumm und minderwertig, gesehen als Ork unter den Menschen, gehasst für das Blut in seinen Adern, gehasst für die Fehler seiner Vorfahren, verachtet für die Taten der Orks, andererseits zu schwach für die Ork-Klans, zu schwach für die orkischen Götter; das ist das Leben am Rande der Gesellschaft, sowohl der menschlichen als auch der orkischen, welches sie erwartet.
Natürlich haben sich die Menschen in vielen Ländern an den Anblick der Halb-Orks in ihren Siedlungen gewöhnt, doch im Allgemeinen dominiert noch immer die Vorsicht. Vor allem die Unsicherheit, welcher Teil des Erbes dominieren könnte, das wilde ungezähmte Biest oder das Menschliche, lässt die Menschen daran zweifeln, ob es nicht besser wäre, die Halb-Orks vor die Tore zu setzen.
So bleiben jenen auch meist nur Arbeiten übrig, zu welchen sich die meisten Menschen zu schade sind: Henker, Totengräber, Arbeiter, Foltermeister und vieles mehr. In gehobenen Positionen findet man sie nur selten, außer in militärischen Organisiationen. Denn dort zeichnet sie ihre Kraft und ihr Mut aus. Wenn sie dann noch genug Intelligenz besitzen, steht ihnen dort nur selten etwas bei einer großen Karriere im Wege.
Doch wie kommt es überhaupt zu einer Vermischung? Die überwiegende Anzahl an Halb-Orks entsteht durch Vergewaltigung von Menschenfrauen durch Orks bei Raubzügen und Plünderungen. Die Frauen schämen sich für ihre Nachkommen. Nicht wenige Frauen geben das Kind ab, setzen es aus oder ermorden sich gar nach der Geburt selbst. Manche werden auch in Gefangenschaft geboren; denn Menschfrauen gelten als beliebte Skalvinnen. Sie gebären den Orks oft Nachwuchs. Wie in orkischen Gesellschaften aber üblich, haben jene ein hartes Los. Von klein auf müssen sie sich häufig um ihr Essen oder mit den reinen Orks prügeln, müssen sich in jener Gesellschaft erst beweisen, in der Kraft und Stärke dominiert und geschätzt wird. Ab und an hilft jedoch die Gabe der Magie einem solchen Halb-Ork, die abergläubischen Orks zu beeindrucken und die ersten Jahre zu überleben.
Manchmal kommt es auch vor, dass Halb-Orks als Kind von anderen Halb-Orks geboren werden. Jene sind es vermutlich, welche das beste Schicksal vorfinden. Geliebt von ihren Eltern, können diese vorbereitet werden, auf das, was sie im Leben erwartet, und sie können von den Erfahrungen der Eltern profitieren. Oft geschieht so etwas in Siedlungen der Menschen, wo sich zwei solche Halborks finden, oder in Stämmen, welche zur Gänze aus Halb-Orks bestehen. Denn auch solche gibt es. Doch meist ist es ein ewiger Kampf gegen Vorurteile, ein Kampf gegen die Gesellschaft, ein Leben als Außenstehender, gemieden von den Menschen wegen dem Orkischen, gemieden von den Orks wegen dem Menschlichen. Dieser Kampf ist, was sie erwartet - und welchen sie verdammt seit, wegen ihrer Geburt zu leben.