Jeder Charakter sollte Stärken und Schwächen haben.
Häufig haben Charaktere nur Stärken und keine Schwächen, aber das macht es eigentlich langweilig mit diesen zu spielen. Alleskönner und eierlegende Wollmilchsäue bieten einfach sehr wenig Platz zum Rollenspiel. Sie mögen bei einem Einzelspiel noch okay sein, aber in einem Multiplayer-Spiel sollten solche Charaktere einfach nicht existieren.
Rollenspiel entsteht dadurch, dass Reibungsfläche entsteht, dass es Unterschiede gibt. Und diese Unterschiede macht man, indem man dem Charakter Profil durch Stärken und Schwächen gibt. Es kann viel mehr Rollenspiel entstehen, wenn nicht alles so glatt und perfekt verläuft. Je glatter und perfekter eine Situation läuft, desto schneller ist sie vorbei, aber darum geht es beim Rollenspiel nicht: Es geht beim Rollenspiel um das Rollenspiel. Und je mehr Konflikte, je mehr Probleme entstehen, desto mehr Möglichkeiten hat man für Rollenspiel. Außerdem spielt einfach niemand gerne mit Mr. Perfekt. Man erinnere sich daran, dass bei der Comic-Serie "Superman" sogar dem bis dahin fehlerlosen Superman die Schwäche mit dem Kryptonit gegeben wurde - eben weil man merkte, dass Superman ansonsten langweilig wäre. Und wenn man sich gerade diesen Bereich der Superhelden ansieht, wird man sehen, dass jeder Held dort seine eigenen Schwachstellen und menschlichen Fehler hat. Denn nicht übermenschliches Handeln macht einen Helden aus; das kurzzeitige Wachsen über seine eigenen Schwächen, das Aufbegehren ... das macht Helden aus.
Das heißt natürlich nicht, dass man seinen Charakter mit Schwächen zupflastern sollte, denn wenn man hier übertreibt, dann wird der Charakter vermutlich weder einem selbst noch den Anderen Spaß machen. Wie so häufig ist eine ausgewogene Mischung das Erfolgsrezept; "All' Ding ist Gift", aber in den richtigen Mengen genossen, ist es eine wohltuende Medizin. Ganz davon abgesehen, dass es einfach all zu menschlich ist, Schwächen zu haben. Wer keine Schwächen hat und immer perfekt ist, der erzeugt höchstens andere menschliche Emotionen: Neid und Missgunst. Daher sollte man einfach immer ein wenig darauf aufpassen, dass der eigene Charakter nicht dadurch allen anderen Charakteren die Show stiehlt, dass er keine Schwächen hat.